Montag, 15. August 2016

Der Kalte Krieg wird heiß ..... aber wie? (Teil 4)

Nach den ersten Regeltests und den anschließenden Diskussionen was wir so erwarten, haben Thomas und ich das Regelwerk unser Wahl noch einmal genauer getestet. Fields of Fire fühlte sich ja nach dem ersten Versuch ganz gut an und auch die Lektüre der Regeln war vielversprechend.

Gespielt wurde das Trainingsszenario im Regelbuch, also Amis mit Abrams und Bradleys gegen Russen mit T72 und BMP1. Ziel des Szenarios war es, eigene Einheiten über die gegnerische Sielfeldseite herunter zu bekommen. (In Ermangelung russischer Modelle haben wir mit WW2 Tommys die Russen geproxt, ich bitte das zu verzeihen)


 Hier die anfängliche Aufstellung. Das Schlachtfeld war glaub ich 120x90cm, die Umsetzung von den Reichweiten aus Zoll in cm klappte meines Erachtens sehr gut, auch wenn für meinen Geschmack die Basen immer noch zu groß sind ;)

Da es für Thomas das erste Gefecht nach den Regeln war haben wir uns viel zeit gelassen und sind akribisch Phase für Phase durchgegangen. Ab der zweiten Runde liefen die grundsätzlichen Regeln schon sehr gut, allerdings ist das ordentliche Einhalten und Abbhandeln der Phasen schon wichtig. Wir haben auch die Regeln für das Aufklären verwendet und gemerkt das sie das Spiel extrem bereichern.


In der ersten Runde passierte nicht viel. Alle Einheiten setzten sich langsam in Bewegung, waren aber noch weit außerhalb der Sichtweite aller Feinde. Allein in der Mitte nahm ein BRDM-Zug Fühlung mit den gegnerischen Abrams-Panzern auf. Um sich ein wenig in Deckung zu bringen (und auf Thomas anraten hin) feuerten sie ihre Nebelkörper ab und verschwanden hinter dem Rauch.  Allerdings können die amerikanischen Panzer dank ihrer Wärmebildkamera da einfach durchschauen und schossen den vordersten BRDM ab. Allerdings waren die Abrams nun aufgeklärt und konnten unter Feuer genommen werden.


Regeldetails Aufklärung:
Alle Einheiten beginnen das Spiel unentdeckt vom Gegner. Ab einer gewissen Reichweite werden Einheiten dann automatisch aufgeklärt (zB Fahrzeuge in Bewegung im offenen auf 60cm) und gelten dann für den Rest des Spiels als aufgeklärt und können bekämpft werden. Es stellte sich sehr schnell heraus, das hier ein Schlüssel zur erfolgreichen Taktik liegt, denn es ist nicht mehr von Vorteil sofort auf den Gegner zu feuern wenn er aufgeklärt ist. Vielmehr muss man den perfekten Zeitraum finden, zu dem man möglichst viel Waffen zur Wirkung bringt, ohne vorher selbst aufgeklärt zu werden. 


Ab der zweiten Runde hatte mein Kommandeur Stellung auf einem hinteren Hügel bezogen und war nun in der Lage Artilleriefeuer anzufordern. 30 Sekunden später explodierte wie aus dem nichts eine einzelne Granate nahe der Amerikanischen Truppen neben der Straße.
 
Regeldetails Artillerie:
Artillerie wird recht realistisch eingesetzt, bedarf aber etwas Buchführung. Sobald ein Beobachter (Zugführer oder Höher bzw. ein richtiger AB) in Stellung ist, kann er Feuer anfordern. Das geschieht  zu Beginn jeder Phase. Nun muss man die Koordinaten schätzen wo das Feuer runter gehen soll, man gibt die Munition an und ob man gleich Wirkungsfeuer schießen möchte oder lieber sich einschießt. Ich habe hier den Nord- und Ostwert in cm geschätzt, und von meiner 122mm Batterie Bombletmunition nach vorherigen einschießen angefordert. In der nächsten Artilleriephase kommt dann der erste Schuß +/- Abweichung runter. Dann kann entweder Wirkungsfeuer befohlen werden oder die Koordinaten noch einmal korrigiert werden (geschätzt natürlich, es sei denn man hat einen AB). In der wieder nächsten Phase kommt dann das nächste Feuer, also eine Minute nach der Feueranforderung. Das spielt sich wunderbar und ist echt realistisch wie ich finde :)



Nach und nach näherten sich die Truppen nun dem Feind und immer mehr Einheiten wurden aufgeklärt. Auf der rechten  kämpften einige T72 mit den Abrams um die Zufahrt zum Dorf, während sich die Verbände auf der linken Flanke weiter eher belauerten. Nachdem ich festgestellt hatte, das Fahrzuege im Offenen quasi sofort aufgeklärt werden, ließ ich einen T72 Zug in den Wald fahren. Hier konnten sie die gesamte Fläche überblicken, erst auf 10cm aufgeklärt werden und zugleich dank ihres Hinterhalts überraschend auf den Feind feuern. (Wir haben die Bewegungsreichweite von 2cm auf die halbe Geländereichweite der Fahrzeuge erhöht, das ging super)

  
Regeldetails Hinterhalt:
Um einen Hinterhalt zu legen, muss eine Einheit in "concealing terrain" stehen, darf nicht aufgeklärt sein und muss die gegnerische Einheit bereits in der vorherigen Phase gesehen haben. Dann kann sie zu Beginn einer Phase 2 Schuss abgeben die sofort wirken (sonst passiert alles Feuer ja gleichzeitig). Danach darf die Einheit allerdings den Rest der Phase nicht mehr feuern. 


Um das Dorf entbrannte ein harter Kampf, die 4 Abrams zeigten sich trotz 2 eigener Verluste den zahlenmäßig überlegenen T72 deutlich überlegen. Nach und nach schossen sie alle Feinde in Brandt und rückten ungehindert weiten gen Spielfeldkante vor. In der Spielfeldmitte rückten zwei weitere Abrams vor und verjagten einen Motschützenzug vom Dorf. Auf der äußerst linken Seite machte Thomas den einfachen Versuch, ob man stumpf in einer dicht geschlossenen Panzerlawine durch das feindliche Feuer hindurchstoßen kann oder nicht. Dabei setzten die Alliierten immer wieder Rauch ein, um sich dahinter zu verstecken.

Regeldetails Rauch:
Fast jedes größere Fahrzeug ist mit einer Nebelmittelwurfanlage und einige sogar mit einem Raucherzeuger ausgerüstet. Mit einem Raucherzeuger kann ein Fahrzeug während der Bewegung eine Rauchwand hinter sich aufbauen, während eine Nebelmittelwurfanlage (drei Verwendungen) die Sicht nach vorn verdeckt. Jeder Rauch wird am Ende der Phase abgefeuert und hält 2 Runden. Der so erzeugte Rauch verdeckt die Sicht vollkommen, es sei denn man steht 2cm entfernt oder ist mit Thermalsensoren ausgestattet. Die Amis hatten eben den Vorteil durch Rauch sehen zu können und sich selbst dahinter zu verbergen.


Spätestens ab Runde 3 ging es für die Sowjets den Bach runter. Ok, ich hatte ein wenig Würfelpech (jeder 2-3 Wurf ne 10) und die russischen Fahrzeuge waren ihren Gegnern technisch deutlich unterlegen. Die Abrams schoßen mit leichtigkeit die T72 ab und räumten so jeden Widerstand aus ihrem weg. Die T72 hingegen taten sich schwer die amerikanischen Tanks abzuschießen, auch die ATGM versagten nahezu vollkommen... Allein der Beschuß mit Bomblets (jedes Fahrzeug unter der Schablone wird von einer leichten ATGM getroffen) schaffte es auf einen Schlag zwei Abrams bewegungsunfähig zu schießen und einen Bradley in Flammen zu setzen. Die überlegene Feuerkraft und gute Panzerung der Amis, gepaart mit dem Einsatz von Nebel machte ihre Überlegenheit deutlich. Heute konnte sie nichts aufhalten.



Während das Gefecht an sich schon gelaufen war, haben wir ausprobiert, ob Thomas Panzer einfach an meiner Infanterie durch diese Engstelle hindurch vorstoßen können. Auf nahe Distanz kamen die RPG und leichten Geschütze der BMP dann zur Wirkung und schoßen einen Panzer und einen Schützenpanzer ab, ein weiterer wurde Bewegungsunfähig. Dazu noch das Artilleriefeuer und Thomas erlitt deutlich höhere Verluste.

Danach gingen die Rotarmisten zum Gegenangriff über, stürmten aus dem Wald und griffen im Nahkampf an. (Eigentlich hätte ich mich das nicht getraut, aber wir wollten die Regeln ja testen) Trotz eigener hoher Verluste fügten sie den Amis weiteren schweren Schaden zu. Ja, man kommt durch so eine Engstelle, aber nur unter hohen Opfern bei gleichzeitig eher geringen Verlusten bei den Verteidigern.


Regeldetails Nahkampf:
Nur Infanterie- und Pioniergruppen können einen Nahkampf einleuten. Dazu bewegen sie sich bis auf 1cm an den Gegner heran und sagen sie wollten in den Nahkampf. Dann werden sie in Basekontakt gestellt und der Nahkampf beginnt bis er entschieden ist. Auch dies ist wieder recht einfach, jede Einheit trifft auf einen gewissen Wert (Inf 6 Fahrzeuge 3) +/- Modifikatoren, jeder Treffer sit ein Verlust beim Gegner.

Zu Beginn der sechsten Runde haben wir dann das Feuer eingestellt, den Amis stand nichts mehr im Wege und sie haben deutlich gewonnen!

Fazit:
Die Regeln sind einfach und klar, bieten aber enormen Spielraum für taktische Tiefe auf dem Gefechtsfeld. Einfach drauflos fahren und alles beschießen wird mächtig in die Hose gehen. Vielmehr muss man geschickt aufklären, eigene Feuerschwerpunkte legen, überlegt seine Waffen einsetzen, Rauch und auch das Gelände schlau zu seinem Vorteil nutzen. Das verspricht ein äußerst spannendes Wochenende Anfang Oktober zu werden!! Ich denke, wir haben hier ein solides Regelwerk, das viel spielerische tiefe bietet.

Das die NATO-Ausrüstung der Sowjetischen überlegen ist, war zu erwarten. Allerdings war der Abrams (der normale M1) den T72 doch sehr überlegen. Wir haben dann festgestellt, das er von den NATO-Panzern der Beste ist (vor allem Panzerung und Thermalsicht) und dabei soviel kostet wie ein deutlich schlechterer Leopard 1.... Naja der M1A1 ist eben "der beste Panzer der Welt" ..... oder so ....