Freitag, 20. Januar 2017

Age of Sigmar - wie hätten wir's denn gern?

Zwar ist der Ersteindruck wie beschrieben überraschend positiv, allerdings gibt es doch die eine oder andere Sache, über die ich etwas gestolpert bin. Daher möchte ich im fünften Teil meiner kleinen Artikelreihe einen kleinen Blick auf die Dinge werfen, die mir eher weniger gut gefallen und versuche einen Ausblick auf eine Regelung zu finden, die mir ganz persönlich besser gefallen hätte.


Fernkampf:
So wahnsinnig viel ist es noch nicht, was mir hier wirklich negativ aufgefallen ist. Eine Sache, die ich aber vermutlich ändern würde, wäre das Zusammenspiel von Beschuss und Nahkampf. Das man seine Fernkampfwaffen einsetzen kann, obwohl man im Nahkampf ist, ist zwar erstmal ungewohnt, aber an sich ja kein Problem. Schaut man sich moderne Fantasyfilme an, so findet man ja spätestens beim "Herrn der Ringe" einen recht prominenten Vertreter der Langohrigen Nahkampfbogenschützen. Soweit also kein Problem, jedoch kann man auf alle Einheiten schießen, die sich "in Sicht" befinden, und das bedeutet in den Regeln nichts anderes, als dass ich das Zielmodell von dem schießenden Modell aus sehen muss, mehr nicht. Da das eigentlich (gerade wenn man mit wenig Gelände spielt) so gut wie immer der Fall ist, kann man also praktisch immer alles in Reichweite beschießen, auch wenn da drei andere Einheiten im Wege stehen, soland ich das Ziel nur irgendwie sehen kann.

Wie gesagt, ich kann mir eine grundsätzliche Nutzung der Fernkampfwaffen im Nahkampf durchaus vorstellen, hätte mir hier eine Beschränkung dahingehend gewünscht, dass man lediglich auf den/die Nahkampfgegner, die ja in dem Moment auch die dringlichste Gefahr darstellen, feuern darf.

Sonderregeln:
Wie in einem der vorherigen Artikel besprochen, halte ich die meisten der "obskuren" Einheitensonderregeln für einen Scherz und würde entsprechend auf deren Einsatz verzichten.
Nicht das ich etwas dagegen hätte, schreiend um den Spieltisch zu laufen, aber das mache ich aus freien Stücken schon oft genug. ;-)


Was war noch? Ach richtig, das leidigste Thema von allen:

Namensgebung.
Wer auch immer auf die wahnsinnig tolle Idee gekommen ist, alles mit Urheberrechtlich schützbaren Eigennamen auszustatten, dem gehört meiner Meinung nach mal gehörig der Duden um die Ohren geschlagen.

Als hätten wir nicht schon ohnehin genug Denglisch in unserer Spielerschaft, aber wenn z.B. die "Sylvaneth Dryads" mit Ihren "Wracking Talons" um die Ecke kommen, könnte ich kotzen. Nichts gegen Waldwesen, ich mag sie sogar, aber hätten es nicht einfach Dryaden sein können, die mit "zerfetzenden Klauen" (oder besser: einfach nur mit Klauen) attackieren können?

Da dieses Phänomen der Namensgebung bei GW aber gerade unter Volldampf auch im 41. Jahrtausend läuft, gehe ich nicht davon aus, dass wir hier in naher zukunft eine Lösung sehen werden.

Da hilft nur - und das werde ich wohl auch machen - sich eigene Warscrolls zu schreiben und den kram nochmal vernünftig zu übersetzen.

Preispolitik.
Warhammer zu spielen ist schon immer ein kostspieliges Hobby gewesen und ja, der Einstieg ist mit wirklich tollen Box-Deals nicht wirlich teuer. Aber bei vielen Dingen fragt man sich einfach nur, ob es tatsächlich irgendwann mal eine Schmerzgrenze gibt, die man bei der Kundschaft erreichen kann. Schaue ich mir an, was da teilweise sogar für eine Handvoll Würfel oder Figuren verlangt wird, fehlen mir die Worte.

.. schaue ich mir mein eigenes Kaufverhalten an, muss ich aber gestehen, dass man öfter bereit ist, den Preis zu zahlen, als es einem lieb sein sollte.


Künstliche Verknappung.
Zu guter letzt habe ich noch eine Sache, die mich ein wenig ratlos lässt: die künstliche Verknappung des Angebotes.

GW produziert heutzutage fast ausschließlich in Plastik. Die Formen für eine Plastikminiatur herzustellen ist viel aufwändiger und teurer, als es das für Zinnfiguren wäre, dafür bekommt man aus der fertigen Form ein vielfaches mehr raus, bevor sie wieder aufbereitet werden muss. Und trotzdem hat man das Gefühl, dass GW viele Neuigkeiten in so geringer Stückzahl produziert, dass vieles noch am ersten Tag vergriffen ist.

Mir ist nicht wirklich klar, wozu diese künstliche Verknappung dienen soll, außer den Kaufdruck auf die Kunden zu erhöhen. Los, kauf das Charaktermodell für 100 Euro, morgen ist es eh' weg, denn - und so viel ist sicher - irgendjemand anders kauft es vor Dir! ... vom unternehmerischen Standpunkt aus eigentlich recht clever..


So, das war es für's erste.
Ich hoffe, meine kleine Artikelreihe hat Euch gefallen und vielleicht sogar ein bisschen unterhalten, lasst mich doch wissen, was Ihr von solchen "Ergüssen" haltet und ob Ihr gerne mehr davon lesen (oder sehen?) würdet.

Oh, halt! Eine Sache habe ich fast vergessen:
Es gibt noch eines, was mich wirklich, wirklich, wirklich nervt: Hysterie. 
Seid nett zueinander, Leute! Leben und leben lassen. Das Hobby gehört uns allen, niemand hat die Wahrheit für sich gepachtet.

Bis zum nächsten mal und vergesst' nicht, "always thin your paints" ;-)

Donnerstag, 19. Januar 2017

Wir sind umgezogen!

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Age of Sigmar - zur Sache, bitte.

Da waren wir nun also.

Nach knapp anderthalb Jahren verstaubtem Daseins in der Dunkelheit meines Hobbyraums habe ich die Starterbox wieder heraus gekramt und mich an die Fertigstellung der noch ausstehenden Modelle gemacht. Bei meinem Ersten Bemalanlauf hatte ich mich gleich auf die Charaktermodelle gestürzt, da ich gerne größere Modelle bemale und die neuen Figuren (ob einem das Design nun gefällt oder nicht) schon ziemlich was her machen.

Man kann sich jetzt natürlich drum streiten, ob derart Detaillierte und (für unerfahrene Pinselschwinger) recht schwer zu bemalende Figuren die beste Wahl für eine Einsteigerbox sind, aber ich glaube GW wollte mal wieder zeigen, dass sie noch immer eine der besten Figurenschmieden sind und dass mit dem neuen Zeitalter auch das Figurendesign noch einmal deutlich verändert wird. Alles ist noch ein bisschen größer, mehr Schädel (ja, das geht), alles wirkt insgesamt noch überzeichneter. Botox-Conan auf Speed, in Miniaturenform. Qualitativ müssen sich die Miniaturen jedenfalls auch heute noch vor nichts verstecken, auch wenn mittlerweile die Luft "da oben" deutlich dünner geworden ist, gibt es doch auch andere Miniaturenschmieden (Wyrd zum Beispiel), die richtig gute Figuren aus Plastik herstellen können. 


Nach endlosem Nerven hatte ich Nicky dann aber irgendwann soweit, dass sie tatsächlich mal eine kleine Runde mit mir probieren wollte. Das Starterset kommt mit einer kleinen Einstiegskampagne (wenn man es denn so nennen will) daher, also schnell einen kleinen Spieltisch aufgebaut, die Figuren auf die Platte und los gehts! Für einen erfahrenen Tabletop-Spieler stellt das Aufeinandertreffen der drei Kombatanten natürlich weder eine Herausforderung, noch eine spielerische Offenbarung dar, aber es dient seinem Zweck, die Grundprinzipien zu erklären. (Bei einem Videospiel regt sich ja auch niemand drüber auf, dass am Anfang im Tutorial gesagt wird, benutze den Stick/die Pfeiltasten um Dich zu bewegen ;-) )

Nach einem kurzen, aber erstaunlich knappem Scharmützel hatten wir dann aber tatsächlich Blut geleckt. Meine Frau forderte vehement eine Revanche ein, denn mein Korgorath hatte ihren Lord-Celestant (Die Namen... aber da kommen wir ein andern mal noch zu) im ersten Anlauf bezwingen können. Der Zweite Versuch lief besser für die Sigmarritter, in nur zwei Runden war das rote Monster bezwungen und der Folterknecht hatte alleine erwartungsgemäß auch keine echte Chance. 



Nicky war zufrieden mit dem "neuen" Ergebnis des ersten Szenarios, also ging es gleich weiter in's Zweite. Ich möchte Euch jetzt hier nicht mit Details langweilen, aber wir spielten an dem Abend noch zwei weitere Missionen und ein paar Tage später ging es auch gleich weiter. Das System, so einfach die Regeln im Grunde auch sein mögen, gefiel uns überraschend gut. 

Ich glaube, was mir daran am meisten gefällt, ist das Zusammenspiel der einzelnen Einheiten/Regeln, es wird selten sehr komplex, aber man muss schon einen Plan haben, wer wann was machen soll, um erfolgreich zu sein. Darüber hinaus finde ich, dass das Abschaffen der Vergleichstabellen für Treffer- und Verwundungswürfe ein Geschenk der Götter ist! Es beschleunigt das Spiel doch sehr und macht es - gerade für Einsteiger - sehr nachvollziehbar, warum man wann welchen Wert erwürfeln muss. Mal ehrlich: Mich persönlich hat es immer genervt, wenn man bei einer Spieldemo (also wenn man ein System nicht kennt) bei jedem Würfelwurf den Spielleiter anschauen muss, der dann irgendwelche Werte herunterbetet und am Ende dann 4+ sagt. Einmal mehr kann man hier Field of Glory als abschreckendes Negativbeispiel ins Feld führen. Diese Lösung ist vielleicht für GW-Spieler ungewohnt, sie funktioniert am Ende aber gut, und das ist es doch, was eigentlich wichtig ist. 

Natürlich habe ich jetzt noch nicht allzu viele wirklich große Spiele gespielt, aber ich denke, die bisherigen Partien waren ein sehr guter Vorgeschmack auf das, was das System bietet und - wichtiger als alle greifbaren Fakten: das System hat einen guten Eindruck bei mir hinterlassen und ich freue mich darauf, tiefer einzusteigen. 



Mittwoch, 18. Januar 2017

Age of Sigmar - die Erlösung?

Willkommen zum dritten Teil meiner kleinen Artikelserie!

Ich will ehrlich sein: Im Chaos des Neuanfangs bin auch ich verloren gegangen. Zwar hatte ich mir seinerzeit das 2-Spieler Starterset gekauft, aber weiter bin ich lange Zeit nicht gekommen. Zum einen spiele ich nicht gern mit unbemalten Figuren, zum anderen hatte mir die ganze Hysterie um den Wechsel auch ein bisschen den Wind aus den Segeln genommen. Wochen gingen ins Land und - wie es dann immer so ist - die Motivation, wenigstens die Starterbox zu Ende zu bemalen schwand immer mehr, bis dann irgendwann das nächste Hobbyprojekt anstand und der Karton einer von vielen in meinem Schrank wurde.

Durch unseren Umzug und die vorherige Hausrenovierung im letzten Jahr war ich einige Monate lang auch mit anderen (wichtigeren) Dingen beschäftigt und so dauerte es tatsächlich bis Ende 2016 (genauer gesagt bis zum Wiedererscheinen des neuen/alten Startersets Spire of Dawn - ja, ich kaufe auch jeden Scheiß), bis das Thema bei mir wieder aktuell wurde.

Interessanterweise ist man aber auch hier wieder nicht so richtig konsequent gewesen, neben einem dünnen Heftchen gibt es sonst nichts in der neuen Box, keine echten Einstiegsszenarien wie in der eigentlichen Starterbox und auch sonst nicht viel zu holen. So hat das ganze trotzdem ein bisschen den Geschmack des "Resterampen-Verkaufs", auch wenn GW mittlerweile schon die dritte Welle an Nachbestellungen produzieren muss.

Hier hätte man mit ein klein bisschen mehr Aufwand sicherlich auch deutlich mehr Geld für das Produkt verlangen können, aber auch so bleibt "Spire of Dawn" mit 65 Euro ein echter Schnapper.


Das "neue" Set steht für mich am Ende einer Entwicklung, die im letzten Jahr ihren Anfang genommen hat. Mit den Personalveränderungen an führender Stelle bei Games Workshop, änderte sich auch (endlich) wieder die Firmenphilosophie. Plötzlich wurde man als Kunde von Games Workshop wieder wahrgenommen, Social-Media Kanäle machten (wieder) auf, mittlerweile wurde aus dem, was als kleiner Blog auf der GW-Website begann, eine eigene Community-Website.

Und man redete auf einmal nicht nur wieder mit den Kunden, nein, man hörte ihnen sogar zu! Kaum jemandem wird entgangen sein, dass der White Dwarf wieder von seinem unwürdigen Dasein als Werbeheft erlöst wurde und nun wieder ein ganzes, großes, monatlich erscheinendes Hobbymagazin ist.

Aber zurück zu Age of Sigmar, denn auch hier hat sich einiges getan.

Nach dem extrem miserablen Start, den das System also in der öffentlichen Wahrnehmung hatte, kam Mitte 2016 endlich die Erlösung in Form des "Generals Handbook". Das, wonach viele Leute lange gesucht haben, wurde nun offiziell: Ein Punktesystem! Es ist zugegebenermaßen ein anderes System, als man es bis dahin gewohnt war, zählt man doch jetzt nicht mehr jedes Modell, sondern immer eine gewisse Menge an Figuren, bzw. ein vielfaches hiervon, aber es war nun wieder möglich, auf einem halbwegs ausgeglichenen Niveau zu spielen und Listen zu bauen. Und ob das dann wirklich gut oder besser ist, spielt im Grunde auch überhaupt keine Rolle, denn die Leute wollten ein Punktesystem, jetzt haben sie es.

Über dieses System hinaus wurden auch noch weitere Spielanreize für Erzählerisches und freies Spiel geliefert, nebendran noch die "Pfade des Ruhms"-Kampagne und so weiter. Eigentlich alles, was man sich von einem "echten" Regelwerk erwartet hätte.

.. kaum vorzustellen, was passiert wäre, hätte GW das Generals Handbook schon damals fertig gehabt. Ich nehme mal an, wir hätten uns viel Schreierei ersparen können.


Dienstag, 17. Januar 2017

Age of Sigmar - wie mache ich es falsch, aber so richtig?

Im zweiten Teil meiner kleinen Artikelreihe kommen wir gleich zum Knackpunkt der ganzen Geschichte: dem völlig missglücktem Wechsel.

Die Idee, die hinter den (noch immer) kostenlos für alle Modelle verfügbaren Spielwerten steht, ist so nobel wir nur irgendetwas. Es gibt wohl kein besseres Argument, das einem bei der Einführung neuer Spielsysteme helfen kann, als wenn man seine komplette Sammlung einfach nehmen und losspielen kann.

Nur leider gab es dabei ein klitzekleines Problem ... die Regeln waren zum Teil so bescheuert, dass es sich hierbei nur um einen Scherz handeln konnte. (Ich war damals der festen Überzeugung und bin es noch heute.) Das Problem daran ist allerdings, dass Games Workshop damals die Strategie vertreten hat, einfach gar nicht mit seinen Kunden zu kommunizieren, und wenn ich einen fiesen Scherz über Dinge mache, die meinem Gegenüber am Herzen liegen, sollte ich besser sicher gehen, dass mein Gegenüber diesen Scherz auch versteht!


Das Gegenteil von "Gut" ist ja bekanntlich "Gut gemeint", eigentlich hätte es klar sein müssen, dass dieser Scherz nach hinten los geht. Viele (Ex-)Spieler fühlten sich zurecht verarscht, dass auf diese Weise das Interesse daran, das neue System überhaupt mal auszuprobieren nicht unbedingt steigt, hätte man voraus sehen müssen.

Das hat man aber eben nicht.

Das alleine wäre sicherlich noch nicht mal allzu schlimm gewesen, im Zweifel hätte man sich vermutlich eh' darauf geeinigt, diese "Unsinnigen" Sonderregeln zu vernachlässigen und gut. Aber es gab leider ein zweites Problem, eines, welches dem ganzen System vermutlich wirklich die Tour vermasselt hat.

Diejenigen, die Mutig oder Neugierig genug waren, tatsächlich einen Schritt in das neue Reich zu setzen und sich selbst davon zu überzeugen standen vor einem neuen, viel größeren Problem: durch das fehlende Punktesystem verloren viele die Orientierung und es entwickelte sich sehr schnell ein allgemeines Durcheinander von Hausregeln und anderen Dingen, mit denen die Spieler versuchten, irgendwie halbwegs ausgeglichene Spiele hinzubekommen.

Auch hier hätte man vorher wissen müssen, dass das völlige Fehlen von Punkten zu Problemen führen muss, wenn die Szenarien so aufgebaut sind, dass beide Seiten die gleiche Ausgangslage haben. Ein Spiel braucht Orientierung! Wenn die Szenarien so aufgebaut sind, dass beide Seiten die gleiche Ausgangslage und die gleichen Ziele haben, sollten die beiden Seiten auch über ein vergleichbares Kräfteverhältnis verfügen. Gerade "wir historischen Spieler" wissen, dass ein Ungleichgewicht an Truppen nur praktikabel ist, wenn das Szenario beiden Spielern unterschiedliche Ziele vorgibt, denn nur so ist es für beide Seiten Sinnvoll und Fair.



Aber auch das wurde ignoriert.

Beachtet man allein diese beiden Sachen, kann man doch eigentlich nicht anders als zu bemerken, dass hier irgendwas nicht stimmt. Doch entweder konnte man das in Nottingham nicht sehen, oder man wollte es eben nicht sehen. Das Ergebnis jedenfalls war, dass das neue Spielsystem, welches Games Workshop aus der "Warhammer Fantasy - Umsatzkrise" holen sollte, eine ziemliche Bauchlandung hingelegt hat.

... ich verstehe jeden, der sich damals enttäuscht abgekehrt hat.