Montag, 19. Januar 2015

Warhammer – End times .. ein Neuanfang?


Jaja, was da derzeit in der „Community“ passiert, ist wirklich beachtlich.
Alle finden GW blöd, jeder hat `ne Meinung, keiner will je wieder irgendwas von denen Kaufen und das habe ich Euch ja schon immer gesagt und überhaupt ist das alles Doof mit den End Times und was danach kommt ist blöd und neues ist eh immer scheiße – und die wollen sowieso immer alle nur unser Geld!  -Ach, wie konnte ich`s nur vergessen: Früher war eh` alles besser!

… Leute, beruhigt Euch mal.

Wir erleben momentan spannende Zeiten mit, der Branchenprimus versucht gerade, aus dem langjährigen Tief heraus zu kommen und den Trend der letzten Zeit umzudrehen. Wenn man als Unternehmen mit ansehen muss, wie über viele Jahre hinweg die Umsätze immer kleiner werden, ist irgendwann ein Punkt erreicht, an dem es mit einer reinen Margenerhöhung durch Preissteigerung nicht mehr getan ist. Die Produkte müssen wieder interessant werden, die Leute müssen die Sachen kaufen WOLLEN, dann ist der Preis eh` nur Nebensache.

Letzten Endes ist das hier doch unser aller Hobby und natürlich kostet das Betreiben eines Hobbys Geld. Ich möchte jetzt gar niemanden verteidigen, aber momentan ist so viel Aufregung überall, da will ich einfach dafür plädieren, dass man mal einen Gang zurück schaltet.

Nach all dem was wir wissen – und das ist sicherlich noch nicht so richtig viel – wird nach den End Times die „Alte Welt“ und Warhammer Fantasy, wie wir es bisher kennen, nicht mehr existieren. Wenn man sich das so vor Augen führt, kann das schon schockierend sein, denn was da über die letzten 20-30 Jahre an Geschichte gewachsen ist, kann doch nicht tatsächlich einfach über Bord geworfen werden, oder?

Doch genau danach sieht es aus. GW wagt offenbar den Neuanfang. Alles auf Null, weniger Völker, kleinere Armeen (zumindest für den Anfang), neue Geschichte.

Ob ich die Sorgen von aktiven Spielern mit riesengroßen Armeen im Keller verstehen kann, die angst haben, Ihren ganzen Kram noch mal von vorne anfangen zu können? Klar kann ich das.

Aber sein wir doch mal ehrlich:
Wer zwingt Euch denn dazu, von heute auf Morgen euer altes Regelwerk wegzuschmeißen und auf Teufel komm raus den neuen Kram zu machen?
Eines ist doch sicher: all diejenige, die Warhammer in ihrer jetzigen Form spielen und lieben, können – und werden – das auch weiterhin tun!

Ich bin lange genug im Hobby unterwegs um zu wissen, dass ein Neuanfang für ein System nicht immer gleich bedeutet, dass alles was Gestern war nichts mehr wert ist. Erinnert euch mal, wie war das damals mit den „neuen“ Battletech-Regeln? Da musste man sich anhören, dass das ja kein „echtes“ Battletech mehr sei und überhaupt und sowieso. Hat jemand diese Leute jemals gezwungen, nach den neuen Regeln zu spielen? Nein, natürlich nicht: diese Leute spielen noch heute mit den 30 Jahre alten Regeln auf zwei Grundkarten mit schlecht gegossenen Zinnfiguren – und warum denn auch nicht? Wenn sie da Bock drauf haben ist das doch das einzig Richtige für sie, oder etwa nicht?

Sehen wir es doch mal so.
Viele Leute – mich inbegriffen - haben Warhammer schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt. Die Regeln wären teils komisch, das Spiel wäre zu wenig erwachsen, man braucht zu viele Figuren die zudem viel zu teuer sind … und das sind nur einige Gründe, die alle Ihre Berechtigung haben.

Die Welt hat sich gedreht, der Markt hat sich verändert, das muss auch der Branchenprimus, dem sicherlich die meisten von uns ihren Einstieg ins Hobby zu verdanken haben, einsehen.

Was also tun?
Mit dem „weiter so“ der letzten Jahre ist es nicht besser geworden, da muss man nun wahrlich kein Genie sein um auf die Idee zu kommen, dass es eines Neuanfangs bedarf.

Doch wie?
- ein neues Spielsystem?
Dafür ist es wohl zu spät. Der Tabletop-Markt ist übervölkert mit aberhunderten von Systemen, selbst wenn man nur die nicht-Historischen nimmt, kann niemand mehr die Vielzahl verschiedener Spiele überblicken. Das Etablieren einer neuen Marke wäre da wirklich, wirklich schwer.

- ein altes System aus dem Dornröschenschlaf erwecken?
Zugegeben, es gibt eine menge Systeme, die sich hier anbieten würden und man hört immer wieder Rufe nach Neuauflagen der mittlerweile leider verschwundenen „Spezialistensystemen“.  Dieser Schritt scheint GW aber wohl nicht groß genug gewesen zu sein. Natürlich hätte man eine Mortheim – Neuauflage machen können, die Bases der Figuren rund und fertig ist das Skirmish-Spiel. Ob die Leute das gekauft hätten? Ich denke mal schon, ich für meinen Teil wäre kaum zu halten gewesen.

Die Gefahr wäre aber groß gewesen, dass der Erfolg schnell verpufft, und es wieder nur bei einer einzelnen Box bleibt, die binnen Jahresfrist wieder vom Markt verschwunden ist.

Man hat sich offenbar entschieden, aufs Ganze zu gehen, vielleicht auch um zu zeigen, wie sehr man hinter diesem Schritt steht und nicht wieder nur eine neue Spielbox rausbringt..
Die Warhammer-Welt wird modernisiert, und zwar mit Stumpf und Stiel.
Was bietet sich da mehr an, als gleich die komplette Alte Welt, auch wenn`s weh tut, den Bach runter gehen zu lassen? Die Designer können sich austoben und ein paar unglaubliche Modelle schaffen, die Geschichtsschreiber haben eine einmalige Möglichkeit, alle Prophezeiungen und alles Götterwirken in die Tat umzusetzen, denn eines ist klar: Die Alte Welt geht unter – und sie wird es mit einem Knall tun, der sich gewaschen hat.

Aber zurück zum Thema, wofür schreibe ich das hier alles?

Eines hat GW zumindest schon mal geschafft:
Die Leute sind endlich mal wieder aus dem Häuschen!
Und es geht dieses mal nicht um miese Gussqualität, Preiserhöhungen oder Personalentscheidungen  nein, es geht um das gute alte Warhammer Fantasy, das nach Jahren des Dahinsiechens endlich mal wieder im Fokus steht und sogar Leute wie ich – die seit Jahren nichts mehr mit Warhammer Fantasy anfangen konnten – ihre ganze Aufmerksamkeit dem widmen was da kommen mag.

Ach, und Deine natürlich auch, oder warum hast du dir die Mühe gemacht habt, diesen ganzen Artikel hier bis zum Ende zu lesen?