Freitag, 13. Februar 2015

Hamburger Tactica 2015 - Die Schlacht bei Spichern

Jetzt liegt sie also vor mir, die Platte für unsere diesjährige Präsentation.
Nach langen Wochen des Probierens, des Scheiterns und einem kompletten Neuanfang ist es – wie in jedem Jahr – dann doch wieder Februar geworden und das, obwohl ich so früh begonnen habe, wie nie zuvor. Aber ohne ein bisschen Zeitdruck kann ich offenbar nicht arbeiten…

Der Blick von Forbach in Richtung Stiring-Wendel




Aber fangen wir von vorne an:

Auf der Tactica 2014 haben wir eine Field of Glory (Antike) Präsentation gehabt. Hier ging es im 15mm-Maßstab weniger um das Präsentieren einer atemberaubend schönen Schlacht in tollem Gelände, sondern eher um etwas anderes:
Matthias und ich haben und schon lange darüber geärgert, dass das Field of Glory – Regelwerk so unzugänglich ist. Dabei ist das System bei näherer Betrachtung eigentlich ziemlich einfach! Das Ziel der Präsentation war es also, den Spielern Mittel an die Hand zu geben, mit denen sie die Grundprinzipien des Spiels schnell erlernen können und im besten Fall schon nach kurzer Zeit mehr oder weniger Eigenständig spielen können. Daher haben wir viel Zeit investiert, um für alle Einheiten spezielle Karten zu schreiben, auf denen sämtliche POAs bereits ausgerechnet sind und die Würfelwürfe für alle möglichen Situationen schon fest standen. (Phalanx im Nahkampf mit Unsterblichen? Ein Blick auf die Tabelle und schon habe ich meinen Würfelwurf.) Der Gedanke dahinter ist, dass es den Spielenden nicht darum gehen soll, Kopfrechenaufgaben mit verschiedenen Faktoren zu machen, sondern zu spielen! -  gerade auf einer Messe/Con, wo es weder ruhig ist, noch die Leute endlos viel Zeit haben schien uns das wichtiger, als alles andere.

Der Plan ging auf, in ausnahmslos allen Spielen konnten die Spieler schon nach kurzer Zeit praktisch eigenständig spielen. Das entlastete uns vor allem am Sonntag, wo nur noch eine Person an der Platte war und wir trotzdem ein 6 – Spieler – Spiel über mehrere Stunden gemacht haben. Ohne die Karten wäre es sicher extrem anstrengend gewesen, ständig mit den Spielern die POAs durchzudeklinieren.

FOG-Einführung zu sechst mit nur einem Spielleiter? Läuft!


Das ist ja alles schön und gut, aber was hat das alles mit diesem Jahr zu tun?

Nun, in diesem Jahr wird es etwas anders laufen:
Dieses Jahr wollen wir kein Experiment mit vielen kleinen Demorunden machen, sondern einfach ein schönes Spiel zeigen. In einer Epoche (und einem Maßstab), die oftmals ein bisschen in Vergessenheit zu geraten scheint: dem Deutsch-französischem Krieg von 1870/1871. Dargestellt wird die Schlacht bei Spichern, das erste nennenswerte Aufeinandertreffen beider Seiten.

Das Szenario: Die Schlacht bei Spichern 1870

Passend hierzu haben wir uns für die 1870er Version des Grand Tactical Rules - Regelwerks entschieden, womit die Wahl des Maßstabs ebenfalls fest stand: 6mm. Wir werden also die komplette Schlacht, nicht nur den Sturm auf die französischen Stellungen, abbilden. Die Herausforderung für die Generäle wird es also sein, nicht nur das unmittelbare Kampfgeschehen unter Kontrolle zu behalten, sondern auch den kompletten Rückraum zu überwachen, die Bewegungen der Reservetruppen zu kontrollieren und den Blick auf das „Große Ganze“ zu bewahren. Und glaubt mir, das ist in Wirklichkeit eine echte Herausforderung, denn kämpfen tun die Männer eh von alleine, da hat der Kommandeur dann auch wenig Einfluss.


Okay, das Ziel steht fest, fangen wir also an!

Bereits im Oktober 2014 beginne ich mit dem Plattenbau. Normalerweise ist das immer so eine Sache, die ich erst im Dezember anfange, aber in diesem Jahr ist irgendwie alles anders. Grund dafür ist, dass ich etwas Neues versuchen wollte und die Platte nach der „Bruce Weigle“ - Methode bauen möchte: Ein Styroporkörper, der mit mehreren Schichten Stoff überzogen ist und dann bemalt wird.

Im Oktober besorgte ich mir also das noch fehlende Equipment und begann mit dem Bau des ersten Prototypen. Ich war gespannt, ob das alles wirklich so einfach war, wie „Bruce“ es in seiner Anleitung aussehen lässt, vor allem war ich skeptisch, ob man den Stoff wirklich so glatt auf die Platte bekommen würde und das bei dem doch sehr bergigen Gelände, das hier vorliegt. Zunächst habe ich mir die Karte des Geländes genommen und einen Plan darauf gezeichnet, damit ich an allen Stellen des Projekts fix mal nachschauen kann, wie ich die Landschaft gestalten muss. In einem so kleinen Maßstab treten auf einmal ganz andere Herausforderungen auf, die es zu beachten gilt. Es dauerte gar nicht lange, da war der erste Quadratmeter ausgeschnitten, die Hügel modelliert und das Gelände soweit vorgezeichnet, der eigentliche Test konnte beginnen! Also, fix ein bisschen Stoff besorgt und los geht es!

Eines der letzten Bilder vom Prototypen ...
Ich habe die Platte also erst mal mit Sprühkleber eingesprüht und begann mit dem Aufkleben der ersten Stoffschicht, als plötzlich … die Platten anfingen zu schmelzen!



Na super, auf der Dose stand doch extra „Ohne Lösemittel“… doch es half nichts, der erste Prototyp war ruiniert. Dennoch habe ich, bei dem Stück, das ich aufgeklebt bekommen habe, bevor sich mein Prototyp buchstäblich in Luft aufgelöst hat, wertvolle Erfahrungen sammeln können. Und zwar die, dass ich nie und nimmer den Stoff so glatt auf diesen hügeligen, fast zerklüfteten Untergrund bekomme, wie es nötig wäre. Es stand nun also eine Entscheidung im Raum, es weiter zu versuchen, oder einen anderen Ansatz zu wählen. Mittlerweile war November, der Termin für das erste Probespiel rückte immer näher, binnen zwei Wochen musste ich eine halbwegs brauchbare Platte haben, auf der man ein erstes Testspiel machen könnte!

Ein paar Tage dachte ich drüber nach und kam schließlich zu einem Entschluss:
Ich nahm den Prototypen, warf ihn in die Mülltonne und fing noch mal von Vorne an, diesmal mit einer traditionelleren Bauweise. Das Projekt „Weigle“ ist damit zwar nicht gestorben, aber auf ein anderes mal vertagt - vielleicht nächstes Jahr, mal sehen…


In den nächsten Tagen habe ich dann die komplette Platte, bestehend aus vier großen Teilen (zu je 60x120) und einem kleinen Teil (60x60cm), gebaut und mit den verschiedenen Höhenzügen gestaltet. Ein wichtiges Element ist, neben dem Berg auf dem sich die Franzosen eingegraben haben. das kleine Tal mit dem Flusslauf und der Eisenbahnlinie. Das Gelände ist sehr abwechslungsreich und bietet viel Platz zum Manövrieren, aber auch viele Ecken, die durch Wälder nur schwer zugänglich sind.

Also, nochmal GANZ von Vorne ...
So ein Paket wollte ich schon immer mal haben ...

Die Landschaft ist zumindest grob gestaltet.


Ohne Plan geht nichts!

Tada! Fertig für's Probespiel. Nicht schön, aber wenigstens etwas ...

Wie man auf den Bildern des Probespiels sehen kann, habe ich die Platten wirklich nur notdürftig hingeschustert, auf den letzten Metern ist mir dann doch noch die Zeit ausgegangen und ich hab es einfach nur „irgendwie“ spielbar machen wollen. Gereicht hat es allemal, wir hatten ein paar tolle Spiele auf der Platte, auch wenn sie wirklich noch sehr sehr roh aussah.

Das Probespiel - endlich kommt Leben in die Bude

Fast alles ist noch Provisorisch, aber bei der Probe geht ja auch Funktion vor Aussehen.

Mittlerweile war der Dezember eingekehrt und mit ihm die Weihnachtszeit. Im Dezember habe ich nicht so wahnsinnig viel gemacht, nur nebenbei immer mal wieder die Fugen zwischen den einzelnen Styroporschichten mit Acryl verspachtelt und die Übergänge zwischen den verschiedenen Höhenstufen abgerundet. Ursprünglich sollte die ganze Gegend ja wirklich rund werden, also die Berge nicht aus Stufen, sondern aus runden Hängen bestehen. Das Problem hier ist, dass das nicht ohne weiteres Möglich ist, da ein Großteil des Kampfes an den Berghängen stattfindet und die Figuren einfach nicht sauber drauf stehen, wenn es zu steil ist. Also habe ich mich doch wieder für eine „Treppenbauweise“ entschieden, die ich an den Kanten aber deutlich abgerundet habe. Ein Ergebnis mit dem man durchaus leben kann, wenn Ihr mich fragt.

Stufen, Glattgelutscht.

Nach dem Jahreswechsel ging es in den Endspurt, mittlerweile habe ich die komplette Platte verspachtelt und abgerundet, jetzt war es an der Zeit, die Platten an sich fertig zu machen, damit ich noch genug Zeit für die Details habe, von denen es später dann ja noch reichlich braucht, um der Platte Leben einzuhauchen. Mit mehreren verschiedenen Schichten (und Größen) Flock habe ich also zunächst die Wälder begrünt, danach die offenen Wiesen, wobei ich andersfarbigen und feineren Flock benutze. Ursprünglich wollte ich gerne verschiedene Felder auf die Platte bringen (Die Weigle-Methode, Ihr wisst schon), aber das hügelige Gelände und die großen Waldflächen haben mich dann doch dazu bewogen, das sein zu lassen. Ich habe mehrere verschiedene Layouts für die Felder gehabt (Teile davon sieht man auf den frühen Bildern hier und da mal), erst kleine, dann größere, aber so richtig gefallen wollte mir alles nicht, weil es irgendwie nicht zum Gelände passte – also habe ich es letztlich dann ganz gelassen.

Jetzt kommt der spaßige Teil!

Staubmaske nicht vergessen!


Den Abschluss der „groben“ Arbeiten bildeten der Fluss und die Bahnlinie, beides war fix erledigt und so konnte ich mich, nach viermonatiger Bauzeit, endlich um die Details kümmern.
Hier kommt die Bahn
Man beachte die Platzhalter-Gebäude

Natürlich muss es auch wieder Karten für die Einheiten geben, damit wir unseren Spielern etwas an die Hand geben können. In diesem Jahr ist der Maßstab ja dann doch etwas anders, und so machen wir immer ein Korps pro Karte und eine Karte für den Armeekommandeur. Ein Korps ist auch die Menge an Einheiten, die wir einem Spieler gerne an die Hand geben wollen. Natürlich kann man auch alleine eine der beiden Seiten spielen, aber gerade das Zusammenspiel der Generäle untereinander soll ja den Reiz ausmachen.

Alles im Blick: die Einheitenkarten

Eine der verbliebenen Hauptaufgaben war es, jede Menge Bäume zu bauen. Und mit jeder Menge meine ich nicht zwanzig oder dreißig, nein ich rede hier von über FÜNFHUNDERT Bäumen! In der Stunde schafft man ca. 70Stück, auf jeder der vier großen Platten sind es insgesamt zwischen 100 und 200 Bäumen, was für eine Arbeit… wer schön sein will, muss leiden, so ist das leider nun mal.

500 mal Stecken, ziehen, kleben ... auf geht's!

Langsam, gaaaanz langsam wird es ...

Ich glaub, ich steh' im Wald!

Matthias hatte zu unserem Probespiel schon reichlich Gebäude fertig, die einen guten Grundstock bildeten, auf dem ich aufbauen konnte. In den ersten Februartage habe ich dann also jeden Abend `ne Stunde lang Gebäude gebastelt (eines braucht knapp 10 Minuten), damit die angestrebten 50-60 Häuser auch alle rechtzeitig fertig werden.

Schaffe, Schaffe ...


... Häusle baue!


Tja, und jetzt liegt sie da, die größte Platte, die ich je gebaut habe: das Gelände rund um Spichern.

Ich kann es kaum erwarten, endlich drauf zu spielen!


...wie, was?
Ich hab die fertige Platte gar nicht gezeigt?
Tja, ich fürchte, wenn Ihr sie sehen wollt, müsst Ihr uns ganz einfach auf der Tactica besuchen kommen - oder auf den Nachbericht warten!

:-)

Gruß,
Thomas